Eine amüsante Kurzgeschichte über den Wein

Eine Kurzfassung

Was versüßte einem Schimpansen vor zehn Millionen Jahren den harten grauen Affen-Alltag? Genau! Ausgiebiges Chillen mit ein paar köstlich-fermentierten Früchten.
Und auch Ziegen sprangen vor achttausend Jahren nach der Verköstigung wilder Weintrauben fröhlich über kaukasische Hänge. Das Verhalten ihrer Tiere weckte die Neugier der Hirten und sie fanden heraus, dass die Beeren nach einiger Zeit süß wurden. Also pressten sie die Trauben und ließen den Rebensaft über die Wintermonate in Erdlöchern oder Tontrögen ruhen. Im Frühling kehrten sie zurück und erfreuten sich an dem durch den Gärungsprozess gereiften erheiternd-berauschendem Getränk.

Laut der Bibel hat Noah nach überstandener Sintflut seine Arche am Berg Ararat in Armenien geparkt und als erste Amtshandlung eine Weinrebe gepflanzt. So gilt das armenische Hochland auch als Wiege des Weinanbaus, wo man die mit über 7.000 Jahren älteste Kelteranlage fand. Die Weinanbauer verdünnten ihren sehr starken Wein mit Wasser und tranken ihn durch einen Strohhalm aus Schilf; und wir wissen: Das knallt ordentlich!

Vom Kaukasus aus verbreitete sich der Wein und feierte um 2.500 v. Chr. in Persien seinen ersten Siegeszug, das zum wichtigsten und größten Weinanbaugebiet wurde. Dabei galten die Weine aus der Stadt Schiraz als beste im ganzen Mittleren Osten. Die antiken Perser waren derart auf das neue Modegetränk versessen, dass sie Beschlüsse ausschließlich im berauschten Zustand fassten. Zum Glück mussten die Beschlüsse aber danach zumindest noch mit nüchternem Kopf ratifiziert werden.

Von Persien über Ägypten kam der „Wein-Kult“ nach Griechenland, wo er sich sehr schnell als Volksgetränk etablierte. Selbst Dionysos fiel ihm zum Opfer. Aus dem ehemaligen Pflanzengott wurde der populäre Gott des Weines und des Rausches. So huldigten die Griechen ihrem neuen Lieblingsgott eifrig, feierten ausufernde Feste und veranstalteten Trink-Contests, bei denen auch Kinder ab drei Jahren teilnehmen durften. Für sie gab es gesonderte Weinkrüge, die kleiner waren.

„Wo der Wein fehlt, da stirbt der Reiz der Venus, da ist der Himmel der Menschheit wüst und freudenlos.“

Euripides

Nach dem Niedergang der griechischen Kultur nahmen die Römer das wertvolle Wissen um den Weinanbau der Griechen an und kultivierten ihn in ihrem Imperium. Auch die Römer mischten ihren Wein wie die Griechen mit Wasser. Dabei galt ein Mischungsverhältnis von 1:1 bereits als übertriebener Luxus. Geläufiger waren bis zu fünf Anteilen Wasser je Anteil Wein. Neben der berauschenden Wirkung erkannten die Römer ebenso die heilende Kraft des Getränks, weshalb Wein auch als Arzneimittel verabreicht wurde.
Bacchus übernahm von Dionysos die Gottheitsrolle und auch die Römer kamen mächtig in Feierlaune. So sehr, dass die ansonsten disziplinierten Bürger und Soldaten in Dekadenz abschweiften und man sich gezwungen sah, den Weinkonsum zeitweilig für bestimmte Bevölkerungsgruppen zu verbieten. Mit den Eroberungen der römischen Legionen entstanden entlang ihrer Transportrouten neue Weinanbaugebiete in großen Flusstälern wie dem Rhein, der Mosel oder der Loire, die wir noch heute für ihre ausgezeichneten Weine schätzen. So wurde auch im Land von Siegfried und Kriemhild eifrig Wein angebaut und fand im Nibelungenlied Erwähnung: „Der guote win, den besten, den man kunde vinden umben Rin…“. In diesem Sinne: Prosit!

PS: Schon gewusst? Wieso stoßen wir eigentlich an?
Im rauen Mittelalter stieß man die Weinkrüge mit festem Wumms zusammen, damit der Inhalt des eigenen Krugs in den des Anderen überschwappte. Damit signalisierte man seinem Trinkkumpanen, dass man ihn nicht vergiften möchte. Zumindest in diesem Moment nicht. Denn diese Art des Attentats war zu jener Zeit tatsächlich ziemlich beliebt.

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